Café Auschwitz - deutsche Ausgabe

... irgendwann wird es niemanden mehr geben, der von Auschwitz erzählen kann: „Deshalb sorgt gute Literatur dafür, uns diese Zeit nicht vergessen zu lassen“, so Janusz Styczek, Gesandter der Botschaft der Republik Polen, und lobte den Roman "Café Auschwitz": „Die Perspektive kann den Leser überzeugen“. Gerade das war dem Autor Dirk Brauns wichtig: „Ich wollte nicht in die Geschichte hineingehen, sondern aus der Geschichte heraus etwas machen.“ So entstand ein Roman, der von der Bekanntschaft des deutschen Alexander mit dem Auschwitz-Überlebenden Janusz erzählt. Doch können fiktive Figuren helfen, Auschwitz aufzuarbeiten? Durchaus, sagte Dr. Peter Oliver Loew, stellvertretender Direktor im wissenschaftlichen Bereich des Deutschen Polen-Instituts. Denn der Leser begegnet im Buch „wirklichen Menschen mit mehreren Facetten“. Gerade der provokante Titel des Romans erregt Aufmerksamkeit: „Café Auschwitz“. Das Symbol des Grauens verbunden mit einem Ort, an dem man sich gern mit Freunden trifft? Eigentlich grotesk.
Doch dieser Tabubruch erfüllt genau seinen Zweck, denn er irritiert und hilft, dass wir uns mit dem Thema auseinandersetzen...
Konrad-Adenauer-Stiftung, anlässlich der Präsentation der deutschen Ausgabe des Buches am 30. September 2015
...ein großartiges Buch. Der Text ist sprachlich eingängig, mir gefällt das Arrangement der Figuren und Orte. Die Schlüsse, die der Protagonist aus seinem Erleben zieht, finde ich originell und so noch nicht gekannt. Das alleine macht das Buch lesenswert. Jedoch kommt noch das Entlarvende hinzu, die Gnadenlosigkeit, mit der die Hollywoodisierung des Völkermords beschrieben wird. Das ist das, was mich am meisten an dem Text fesselt. Das Aufbrechen jener Gleichförmigkeit in der aktuellen Betrachtung des Holocausts, die über "die Juden" die Menschen dahinter vergisst. Janusz und Alex ändern das. Ihre Erlebnisse zeigen, dass es sich in erster Linie um Menschen handelte, die da hingeschlachtet wurden, mit all ihren Schwächen, so zum Beispiel die Hierarchisierung des Leids, dernach man in "Kanada" oder in der "Sauna" weniger gelitten hat als in den anderen Kommandos, und die noch Jahrzehnte danach wirksam ist. Das erinnert an die frühe KZ-Literatur, in der die menschlichen Konflikte innerhalb der Opferscharen nationalsozialistischer Barabarei noch herausgearbeitet werden (durften). Und das verleiht dem Text Tiefe. Was aber wiederum erklärt, warum große deutsche Verlage sich dieses Textes nicht annehmen konnten/wollten. Sie können gar nicht anders. Der Holocaust ist bei denen ja längst zur verwaschenen Schablone verkommen, die immer dann angelegt wird, wenn es gerade passt. Die wirklichen Menschen, deren tatsächliche Schicksale und Konflikte, die ja weit vielschichtiger sind als dieses simple Rollenspiel zeitgenössischer Geschichtsbetrachtung, interessieren schon längst nicht mehr, oder bestenfalls zur schaurigen Garnierung vorgefertigter Geschichtchen.
Parviz Amoghli
„Café Auschwitz“ besticht durch Gegenwärtigkeit [...] Keine Phrasen und keine tausendfach gehörte Gedenkrhetorik schleichen sich in die Handlung. Dem Leser stockt der Atem, wenn die Rede ist von „Judenfett“, das zu „leckerem Schmalz“ wurde.Der Autor beschäftigt sich mit einem Thema, das für viele Deutsche zwar präsent ist, aber oft nur noch mit wenigen Emotionen verbunden. Brauns holt es zurück aufs Tableau und weckt Emotionen. Er erzählt schonungslos und zeichnet Figuren wie Janusz, den Überlebenden, der rau und mehrgesichtig ist, ja nicht einmal sympathisch und dazu ein Deutscher, der besessen ist von der Schuld seiner Vorväter. Kein einfaches, aber ein wichtiges Buch.
Berliner Zeitung
Café Auschwitz finde ich fantastisch. Ernsthaft und doch mit einem hintergründigen Humor. Diese irrwitzige Suche nach der Wahrheit, vor allem bei den Tätern, die nichts rausrücken, das ist ganz großes Theater.
Helga Bürster
Wir begegnen mit Janusz einem Menschen [...] mit sowohl anrührenden als auch verstörenden Zügen, und wir treffen auf inzwischen gebrechlich gewordene Tätergreise, die sich entweder mit ihrem Wissen um ihre Vergangenheit quälen oder sich jedem Gespräch darüber entziehen [...]
Dirk Brauns' Roman ist spannend im allerbesten Sinne, "ein ausgezeichnetes Buch" wie Zofia Posmysz, eine Auschwitzüberlebende, im Vorwort betont; es regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern vielleicht auch zur Umwertung stereotyper Sichtweisen. Sie wünscht sich, dass vor allem junge Menschen dieses Buch lesen. Aber auch ich, als alter Mensch, habe es mit großem Gewinn gelesen. Es ist erschütternd und amüsant zugleich, eine interessante Ambivalenz, die ich für empfehlenswert halte.
Die Christengemenschaft 1/2016
...Um Missverständnissen vorzubeugen, ich erwarte keine Unterhaltung in Büchern über den Holocaust und doch bin ich immer wieder seltsam berührt und erfreut – oder ein bisschen erleichtert, wenn ich eben auch mal lachen darf. Der Reportage-Roman „Café Auschwitz“ von Dirk Brauns, der in diesem Frühjahr vom KLAK-Verlag in Berlin neu an die Öffentlichkeit gebracht wird, erlaubt eben dies.
Radio LOTTE Weimar
„Café Auschwitz“ ist ein ungewöhnliches Buch. [...] mit fast schon intimen Einblicken in das Seelenleben der Deutschen. Hier rückt unser Umgang mit der Schuld an den Gräueltaten in den Konzentrationslagern in den Fokus. Genau da wo es weh tut zeigt Dirk Brauns viele Facetten der Verarbeitung – oder Verdrängung.
Literaturblog Tulpentopf